Dieser Blog soll eine Platform sein für all jene, die auch von dieser Welle des Glücks und des Glaubens an eine schöne, neue Welt erfasst wurden. Damals, zwischen 1992 und 1998 im Zürcher Underground. Als es noch versaute Parties in leerstehenden Fabriken gab. Als es noch als störend galt, auf der Tanzfläche zu telefonieren. Als man noch 8 Stunden am Stück tanzte und der DJ eben so lange mixte.
Ich erzähle diese Geschichte aus meiner Perspektive als Flötist, der es wagte, an Techno-, House- und Tranceparties live zu performen. Der Drang, zu diesen heissen Rhythmen und Arrangements zu spielen, entstand an den berüchtigten DEPOSIT-Parties, die wohl mystischsten die man sich vorstellen konnte und im Umfeld von Freidenkern, Fetischisten und tanzwütigen, audiophilen Männern aus der Lederszene und dem Umfeld des Barfüssers im Niederdorf stattfanden.
1993, das Jahr der Magie
Ich konnte Anfang der 90er Jahre nichts anfangen mit den sogenannten Parties, oder Acidparties, wie sie auch hiessen. Irgendwie empfand ich es als Echt-Instrumenten-Musiker als Frevel, Musik zu samplen und neu zu arrangieren. Zudem waren mir die Sounds allgemein etwas zu "billig" und wirkliche Tiefbässe, meine wahre Passion, zuwenig vorhanden.
An mein erstes DEPOSIT ging ich also nicht etwa wegen der Musik, sondern den Männern wegen. Es gehörte zum Konzept, dass man bis 01 h drinnen sein musste, sonst kam man nicht mehr rein. Vorher wurden Soundcollagen gespielt oder Ambient. Die Deko war jedesmal anders und reichte von Röntgenbildern über kopfüber aufgehängten Tannenbäumen bis zu unzähligen Fahnen mit Japanischen Kaligrafien. Und dann, als die Spannung fast schon unerträglich wurde, fing der DJ an zu zaubern und die Energie entlud sich innerhalb weniger Sekunden und dauerte die ganze Nacht hindurch an. Da war es um mich geschehen. Ich hatte ja keine Ahnung, mit welch imposantem Sound mir da aufgelauert wurde! Ich war verliebt, in den Techno!
Ich freundete mich mit Marcel Kennis an, dem DJ aus Amsterdam, der jeweils mit seinen Kollegen anreiste und die Amsterdam-Zürich-Connection bildete. Ich erzählte ihm von meinem Wunsch, diese spezielle Energie anzapfen zu wollen und mit ihm zusammen einen LiveAct durchzuführen. Zu meinem grossen Erstaunen war er begeistert und ein paar Monate später war es dann so weit. Ich suchte mir auf den Mixtapes, die ich von ihm bekam, die besten Tracks aus und übte zu Hause, was ich dazu spielen könnte. Als es dann so weit war, war da Nirvana auf Erden Realität! Die Männer tanzten und tobten, schrien oder waren erstarrt. Und auf einen Schlag kannte mich die ganze Szene in Zürich.
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